Liebe Gemeinde,

Glocken im Turm der Marktkirche Hannover (Foto vom 12.10.2012).

vielleicht wundern Sie sich, dass die Glocken seit Freitag jeden Tag um 12 Uhr läuten. Sonst hört man sie doch für gewöhnlich am Sonntagmorgen. Sie rufen zum Gottesdienst und sind seit Jahrhunderten ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Dort wo Glocken läuten, kommen für gewöhnlich Menschen zusammen. Die Glocken, ein Ruf zur und ein Zeichen der Gemeinschaft, im Glauben aber auch im Ort. Gemeinschaft? Das wird in den aktuellen Zeiten immer schwieriger. Ausgangsbeschränkungen halten uns fern von einander. Soziale Kontakte vermeiden lautet das Gebot der Stunde. Das verunsichert. Wir brauchen doch einander. Viele Menschen schimpfen, dass Kommunikation nur noch über soziale Medien geschieht. In diesen Tagen merken wir, ganz so ist es scheinbar nicht. Wie wichtig der direkte Kontakt zu anderen Menschen ist, wird uns aktuell schmerzlich bewusst. Der kann nicht ersetzt werden. Und mittendrin hören wir die Glocken. Versammlung? Gottesdienste? Abgesagt! Die Glocken scheinen sich irgendwie über uns lustig zu machen. „Kommt doch, kommt doch“, rufen sie uns scheinbar entgegen. Doch so ist es nicht. Die Glocken sind und bleiben ein Symbol für Gemeinschaft. Ganz besonders in diesen Tagen. Wo wir uns so alleine fühlen, abgegrenzt von allen anderen, gar in Angst und Ungewissheit, da rufen sie uns zu: „Denkt daran, ihr seid nicht alleine! Ihr gehört alle zu einer großen Gemeinschaft!“ Und diese Gemeinschaft kann auch kein Virus auseinander bringen. Die Glocken rufen zum Gebet, zur inneren Einkehr, zu Momenten der Ruhe und zum Austausch mit Gott. In Gebeten können wir Gott und auch anderen Menschen ganz nahe kommen.

Vielleicht erinnern die Glocken Sie daran, an andere Menschen zu denken, die auch alleine sind, aber die Sie bald wiedersehen werden. So lasst uns den Glocken lauschen und uns bewusst werden, überall im Umkreis hören Menschen nun auch den Klang einer Glocke. Wir sind eine große Gemeinschaft.

Es läuten die Glocken aller Kirchen in den evangelischen Dekanaten Runkel und Weilburg sowie den katholischen Kirchen des Bistums Limburg ganz im Zeichen ökumenischer Verbundenheit.

Ihr Pfarrer, Alexander Eisenreich